Die ARBEIT AM TONFELD® – nach Prof. Heinz Deuser. Bildung für Hand und Gehirn – Eine Chance für “Pisa”? Entwicklungsförderung und eine „etwas andere Lernhilfe“
ARBEIT AM TONFELD® eine haptische Methode, zur Entwicklungsförderung, eine besondere Art von Lernhilfe und Schülerförderung. Sie wurde von Prof. Heinz Deuser in den 70er Jahren entwickelt und wird seitdem bei Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen erfolgreich angewendet.
Sie wird eingesetzt bei Schul- und Lernschwierigkeiten, zur Förderung des emotionalen Aufbaus, zur Entfaltung von sozialer Kompetenz und Gruppenfähigkeit, sowie in schwierigen Lebenssituationen wie Trennung, Verlust, Schulwechsel und pubertären Krisen. Doch auch Erwachsene profitieren von der ARBEIT AM TONFELD® und können dadurch Ihr schlummerndes Entwicklungspotential entdecken und zum Tragen bringen.
Wie funktioniert die ARBEIT AM TONFELD®?

Auf dem Tisch befindet sich ein flacher Holzkasten ausgestrichen mit formbarer Tonerde, die zum Berühren und Greifen einlädt und eine Schale mit Wasser, das nach Belieben verwendet werden kann.
Das Tonfeld bietet Halt, Begrenzung, Orientierung, Erfahrung der eigenen Spuren, der eigenen Wirksamkeit, die Möglichkeit, sich etwas herausnehmen zu können, seinen eigenen Platz zu finden, etwas über den Rand hinaus zu setzen, die Erfahrung der eigenen Bedingungen und ihre Wandlung in neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Die Kinder und Jugendlichen lernen so, sich in ihrer alltäglichen Welt zu orientieren, sie zu begreifen und sie so zu gestalten, wie es ihrem Bedürfnis entspricht. In der Begleitung unterstütze, bestätige und ermutige ich sie in ihrem Tun am Tonfeld. Daraus kann Sicherheit und Beziehungsgewissheit wachsen, sie können Zuversicht und Zutrauen in ihr eigenes Handeln gewinnen und Selbstvertrauen und soziale Kompetenz entwickeln.
Dadurch wird eine grundlegende Basis geschaffen, damit der Unterricht, die Hausaufgabenhilfe, oder die sozialpädagogische Lernhilfe auf fruchtbaren Boden fallen und dann umso bessere Ergebnisse erzielen können.
Haptik und Intelligenzförderung
Kurz gesagt ist Haptik der Wahrnehmungs- und Handlungsspielraum des Tastsinns, insbesondere der Hände. Von Geburt an nehmen wir im Berühren und Zugreifen mit den Händen uns selbst, die anderen und unsere Umgebung wahr (Sensorik). Die sensorischen Nervenenden der Hände und der Haut melden über die Nervenleitbahnen alles Wahrgenommene an den sensomotorischen Bereich im Gehirn, wo die Hände und die einzelnen Finger, gegenüber dem restlichen Körper, den größten Raum einnehmen. Dort werden diese Informationen verarbeitet, zugeordnet, gespeichert und zur Ausführung von Bewegung (Motorik) und Orientierung wieder aktiviert. Dieses Verarbeitungssystem wird Sensorische Integration genannt.
Der Gehirnforscher Prof. M. Spitzner sagt, das Gehirn entwickelt sich so, wie es benutzt wird, das bedeutet, dass durch die Haptik der Hände immer neue neuronale Verknüpfungen und Bahnungen im Gehirn entstehen. Ganz schlicht ausgedrückt könnte man sagen, dass das „Greifen“ zum „Begreifen“ führt und damit Entwicklung ermöglicht. Damit ist alles, was wir mit den Händen spielerisch und achtsam tun, Förderung für die emotionale und geistige Intelligenz.
Die emotionale, geistige und leiblich-seelische Entwicklung des Menschen ist also ganz eng mit seinen Händen und dem “Begreifen” im wörtlichen, wie im übertragenen Sinn verbunden. Eine große Rolle spielen dabei die Basis-Sinne: Hautsinn, Gleichgewicht und Tiefensensibilität, deren mehr oder minder starke Entfaltung sich nicht nur körperlich zeigt, sondern sich auch auf die Emotionalität, das soziale Verhalten und die soziale Eingliederung auswirkt.
„Nur Erfahrungen, die … unter die Haut gehen, hinterlassen Spuren im Gehirn.“
(Prof. G. Hüther). Nach Prof. G. Hüther, Leiter der neurobiologischen Forschung an der Universität Göttingen, sind die Gefühle ganz wichtig für die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen im Gehirn. „Nur Erfahrungen, die – im Positiven, wie im Negativen – unter die Haut gehen, hinterlassen Spuren im Gehirn. Diese Erkenntnis ist sehr bedeutsam für den Umgang mit sich selbst und mit der Welt, aber sie ist ebenso von großer Tragweite für Pädagogen und Therapeuten.“ (Zitat)
Im Greifen sich selbst begreifen …
ARBEIT AM TONFELD® heißt also im Greifen sich selbst begreifen, die eigene Welt entdecken und spielerisch gestalten. Freude und Lachen, aber auch alle anderen Gefühle und Emotionen, sind wichtige Parameter in der Entwicklung, sie haben Raum in der Begleitung und bringen viel in Bewegung. Meiner Ansicht nach findet gerade der Punkt des Spielens und der Freude bei der Förderung von Kindern noch nicht genügend Berücksichtigung. Stattdessen wird geplant, das kognitive Lernen immer früher beginnen zu lassen.
Die Aufnahmefähigkeit für kognitiven Lernstoff ist jedoch eng verknüpft mit dem emotionalen Zustand der Kinder. Emotionale Sicherheit und Anerkennung ihrer aktuellen Situation sind die wirkliche Basis für Lernfähigkeit und für eine gute Entwicklung. Die Angst der Erwachsenen, die Kinder könnten nicht genug wissen, lernen oder leisten, nimmt ihnen jedoch die emotionale Sicherheit und versagt ihnen die Anerkennung. Hier ist m. E. ein tief greifendes Umdenken notwendig.
Nur durch das Vertrauen der Erwachsenen (Eltern, Lehrer, Therapeuten) in die Entwicklungsfähigkeit der Kinder, können diese ein eigenes Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln.
(vgl. J. Bauer Spiegelneuronen: Warum ich fühle was Du fühlst).
Ute Vetter, Heilpraktikerin Psychotherapie – Institut für Gesundheitsbildung, Kraftquelle-Frankfurt

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