Seit Monaten nun steigert sich der Konflikt zwischen der Bahn und der GDL. Eine Lösung scheint bislang nicht in Sicht. Die Streiks nehmen zu, die Nerven vieler Bahnfahrer liegen blank. Jetzt ist sogar der Güterverkehr betroffen.
Konflikte haben im Allgemeinen eine naturgegebene Tendenz zur Eskalation, da die beteiligten Personen ihre subjektiven Wahrnehmungen mit objektiver Realität gleichsetzen und in der Regel ein „Recht-Haben“ für viele nur dann möglich scheint, wenn der Andere ins Unrecht gesetzt wird (Gewinner-Verlierer Spiele).
So kommt es in der Spirale von Konflikteskalationen naturgegebener Weise zu Wahrnehmungsverzerrungen, Verwechselungen von Wahrnehmung in Interpretation. Die Interpretationen weisen starke Tendenzen zur Moralisierung und Schuldzuweisung aus, jeder beteiligte hat subjektiv die tiefe Überzeugung der Aufrichtigere, Rechtschaffenere, etc. zu sein und hoppla-hopp geht es gar nicht mehr um die inhaltliche Sache sondern Geschehen auf der Beziehungs- oder emotionalen Ebene.
Konstruktive Lösungen haben dann kaum noch eine Chance. Die Stufen der Konflikteskalation zeigen immer härtere Formen der Auseinandersetzung und über verschiedene verschärfende Zwischenstufen von Misstrauen, Rückzug, Verlust von Achtung und Würde, Drohungen, Gewalt, steht am Ende der Eskalationsentwicklung oft die Tendenz, den Anderen zu vernichten.
Dazu muss es jedoch nicht kommen. Es gibt vielfältige Methoden und Techniken mit Konflikten lösungsorientiert umzugehen, die z.B. in NLP-Ausbildungen vermittelt werden. Das Neuro-Linguistische Programmieren (NLP) bietet z.B. eine vielfältige Sammlung von Konfliktklärungs- und Lösungstechniken an und leistet somit wertvolle Beiträge zur sozialen Kompetenz.
Wichtig ist an erster Stelle, anzuerkennen, daß die subjektive menschliche Wahrnehmung ein neuronaler Prozess ist, der auf Selektion und Reduktion beruht; Folge davon ist: Jeder Mensch hat sein eigenes Modell der Welt. Die Wahrheit ist in dem einzelnen Modell nicht repräsentiert oder entsprechend der Aussage der Familientherapeuten Lukas Möller: „Einer hat immer Unrecht, die Wahrheit beginnt zu zwei, auch wenn sie dort nicht endet.
Konflikte sind daher auch immer eine Chance, das eigene Weltmodell zu erweitern und neue Sichtweisen in das eigenen Denk- und Verhaltensmodell zu integrieren. Voraussetzung dafür ist allerdings die Fähigkeit, punktuell und situativ die eigene Überzeugung in Frage stellen zu können, ohne sich in der Tiefe der eigenen Person bedroht oder angegriffen zu fühlen; es auszuhalten, daß ein Anderer anderer Meinung ist.
Wenn dies gelingt, besteht meist eine Möglichkeit, trotz der Unterschiedlichkeit der Standpunkte auch noch ein gemeinsames Ziel zu entwickeln. Leider kommen die Streitparteien häufig erst zu dieser Erkenntnis, wenn so ziemlich alles „Porzellan“ zerschlagen wurde, was greifbar war. Der Schaden, der dann entstanden ist, ist häufig größer als der ursächliche Streitwert.
Durch die Fähigkeit sich in die andere Person hineinversetzen zu können, aus ihrem Blickwinkel auf das Konfliktthema schauen zu können, eine Meta-Position zum Geschehen einnehmen zu können, bekommt jede Konfliktpartei zusätzliche Hinweise und Anregungen für die Entwicklung einer kooperativen Lösung.
Ein schwarz-weiss (entweder-oder) Denken sollte sich in ein sowohl als-auch Denken verändern, da tragfähige Lösungen in der Regel mehr Kreativität benötigen als das binäre 0 oder 1 Verarbeiten.
Da hinter menschlichen Verhaltensweisen immer auch Werte-, Glaubens-, Identitäts- und Zugehörigkeitssysteme stehen, macht es Sinn auch auf dieser Ebene zu differenzieren, welche unterschiedlichen Strebungen im Konflikt wirken.
Wichtig ist weiterhin, daß alle Beteiligten das Gefühl haben, aktiv an einer Lösung mitwirken zu können, anstatt verordnete Lösungen übergestülpt zu bekommen.
Ein Verhalten aus dem Gefühl der Überlegenheit einer Konfliktseite, das zu Gesichtsverlust einzelner Beteiligter führt ist völlig kontraproduktiv beim Erreichen robuster und tragfähiger Lösungen. Der heute über den Tisch gezogene wird sich bei nächster Gelegenheit rächen; der Folge-Konflikt ist vorprogrammiert.
Diese Vorgehensweisen im Rahmen eines stufenweisen Konfliktmanagements brauchen die Unterstützung durch einen erfahrenen Mediator, da die Konfliktparteien damit in der Regel überfordert wären.
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