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Monats-Archive: April 2007

Steigende Zahl von Alkoholerkrankungen in Deutschland

Laut der internationalen Klassifikation (ICD 10) ist Abhängigkeit gegeben, wenn drei oder mehr von sechs/sieben der folgenden Kriterien erfüllt sind:

1. Starker Wunsch oder Zwang, Substanz oder Alkohol zu konsumieren

2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Ende und Menge des Konsums

3. Ein körperliches Entzugssyndrom

4. Toleranzentwicklung

5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums

6. Substanzkonsum trotz schädlicher Folgen

7. (in deutscher Literatur of ergänzt: eingeengtes Verhaltensmuster, unübliches Trinken)

 

Mehrere Faktoren (multifaktoriell) werden einer Suchtentwicklung zugeschrieben:

• Genetisch: In Zwillings- und Familienstudien wurde eine verwandtschaftliche Häufigkeit festegestellt: Als Faustformel kann gelten: 60% Erkrankungswahrscheinlichkeit bei der Erkrankung eineiiger Zwillinge, 20% bei zweieiigen Zwillingen.

• Psychisch: Personen mit hohem Anspruchniveau und Geltungsbedürfnis oder mit Kontaktschwierigkeiten und sozialer Unsicherheit sind eher suchtgefährdet.

• Psychodynamisch: In Konfliktsituationen kommt es zur Regression auf die kindliche orale Entwicklungsstufe mit oft starker Mutterbindung sowie konfliktreicher Autonomiebildung und wenig Toleranz gegenüber Frustration.

• Lerntheoretisch: Durch die Erfahrung – vorgemacht evtl. schon seitens der Eltern – des angenehmen Empfindens von Spannungsabbau, Angstreduktion und Kontakterleichterung wird das Suchtverhalten erlernt.

• Sozial: Die meisten Suchtmittel sind ständig bzw. gut verfügbar und gehören teilweise zu sozialen Standards; oft zeigen sich im Suchtverhalten auch familiäre Muster.

Jährlich sterben mindestens 42.000 Menschen in Folge des Alkoholkonsums, der Anteil alkoholbedingter Todesfälle an allen Todesfällen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren beträgt bei Männern 25% und bei Frauen 13%.

Dabei werden die Trinker immer jünger und das Konsummuster viel extremer. Immer mehr Jugendliche in Deutschland betrinken sich exzessiv und enden mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Das Durchschnittsalter für den ersten Alkoholkonsum liegt mittlerweile bei nur noch 11,8 Jahren. Nur zwei Jahre später, mit 13,8 Jahren erleben Jugendliche im Schnitt das erste Mal einen Alkoholrausch.

Die Abhängigkeit beginnt stets mit Missbrauch, der dann zur Gewöhnung (Habituation) führt. Um eine gleich bleibende subjektive Wirkung zu erzeugen, muss die Dosis gesteigert werden (Toleranzsteigerung). Es kommt zur Abhängigkeit. Bei rapidem Absetzen der Substanz kommt es zu quälenden Abstinenzerscheinungen.

Alkohol beeinflusst das zentrale und periphere Nervensystem. Die Information über den Zustand der Anspannung der Muskulatur ist gestört und führt zu Gangunsicherheiten (Ataxie), und Polyneuropathien (Lähmungen, Sensibilisierungsstörungen sowie Tremor, d.h. rhythmisches Zittern der Extremitäten oder des ganzen Körpers). Insgesamt belastet Alkohol die Leber (alkoholbedingter Sauerstoffverbrauch zu Lasten der Leber), es kommt oft zur Entzündung (Alkohol-Hepatitis), auf Dauer zur Leberzirrhose, später evtl. auch zu einem Leberkarzinom. Auch sind Bauchspeicheldrüse und Magenschleimhaut belastet (Alkoholgastritis), es kommt insgesamt zu einem giftigen Stoffwechsel, der den ganzen Organismus belastet, sowie häufig zu Libidoverlust und bei Männern zur Impotenz.

Als Spätfolgen stellen sich ein: Muskeldystrophien (Abbau von Muskelgewebe), Parästhesien (Taubheit der Glieder); der Alkohol überwindet auch die Blut-Hirn-Schranke und bedingt affektive Veränderungen, bis hin zur Entwicklung eines
Organischen Psychosyndroms in Form von

– Hirnatrophie (Rückbildung des Gehirns)

– Korsakow Syndrom (desorientiert, Merkfähigkeitsstörung, Konfabulationen)

– Wernicke Encephalopathie (nicht entzündl. Blutung und Wucherung der Gefäßwände)

Neben den psychischen, physischen und sozialen Schäden können weitere Folgen Persönlichkeitsveränderung und Verlust der feinen Nuancen der Persönlichkeit sein. Der Alkoholiker neigt dazu, sein schlechtes Gewissen zu projizieren und ist sehr streitsüchtig. In Folge von Impotenz entsteht oft Eifersuchtwahn. Der soziale Abstieg ist meist unabwendbar. Laut Statistik begehen 15 % der Alkoholiker Suizid.

Die Prävention ist ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. Der Heilpraktiker Psychotherapie kann hier schon im Vorfeld der Suchterkrankung mit seinen therapeutischen Interventionstechniken (Gespräche, Entspannung, Konfliktlösung, Sinnfindung etc.) tätig werden, um den Teufelskreis rechtzeitig zu unterbrechen. Weitere Infos unter Heilpraktiker Psychotherapie Prüfungsvorbereitung.

 

 

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