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Neurosen erkennen und behandeln

Der Begriff Neurose bzw. neurotisch wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig unscharf verwendet. Dieser Artikel möchte einen Überblick geben, was in medizinischer Hinsicht unter einer Neurose verstanden wird.

Die seelischen Symptome einer Neurose zeigen sich z.B. in Depressionen, irrationalen Ängsten sowie Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Körperliche Symptome im Rahmen neurotischer Erkrankungen können sein z.B. Schmerzzustände (psychosomatische Störungen), Schlafstörungen, Ess-Störungen, sexuelle Störungen; natürlich muss hierbei eine körperliche Ursache fachmedizinisch ausgeschlossen werden.

Von neurotischen Erkrankungen sind in der BRD schätzungsweise über 15 Millionen Menschen betroffen. Es ist eine auffällig erkennbare Häufigkeit im 3. Lebensjahrzehnt (Erkrankungsgipfel im 20.-30. Lebensjahr), wobei festgestellt werden kann, dass das weibliche Geschlecht bei den meisten neurotischen Erkrankungen z.B. auffällig bei Angsterkrankungen,  Depressionen, psychosomatischen Erkrankungen und Ess-Störungen häufiger betroffen ist.

Als Definition kann gesagt werden: Eine Neurose ist eine psychosozial bedingte Störung ohne nachweisbare organische Verursachung und zeigt sich in der einseitigen/krankhafte nVerarbeitung spezieller alltäglicher Erlebnisse, je nach Erkrankungsform. Die Einsichtsfähigkeit ist gegen über den psychotischen Erkrankungen erhalten, psychotische Symptome wie Wahn und Hallzuinationen kommen bei neurotischen Erkrankungen nicht vor. Neurotisch erkrankte Menschen sind daher in der Regel in der Lage die Alltagsanfordernisse generell zu bewältigen, allerdings mit entsprechenden Einschränkungen (z.B. bei einer sozialer Phobie die Unfähigkeit vor Gruppen zu sprechen) und den darausfolgenden subjektiven Nachteilen und dem persönlichem Leid.

Der Neurotiker leidet selbst an seiner Störung und er leidet unter den zwischenmenschlichen Auswirkungen. Das subjektive Betroffensein, der Leidensdruck wird oft auch als wichtiges Charakteristikum der Neurose herausgestellt. Trotz dieses Leidensdruckes kann der Neurotiker seine Störung und Symptome aber nicht aufgeben. Beim Versuch, diese zu unterdrücken kommt es zu innerer Spannung, Unruhe und Angst.

Als Ursache werden multifaktorielle Bedingungen vermutet:

  • Genetische/vererbte Bereitschaften (familiäre Häufungen)
  • Ungünstige psychosoziale Einflüsse/Charaktereigenschaften (Prägung/Erziehung)
  • Spezielle Überforderungsphänomene als aktuelle Auslöser

Tiefenpsychologische Erklärungsmodelle (Psychoanalyse nach Freud) gehen von Konflikten in Verbindung mit ungelösten Triebwünschen, meist in der Kindheit entstanden, aus. Neurotisch belastende Menschen tragen entsprechend einen nicht verarbeiteten bzw. verdrängten Konflikt mir sich herum.

Neurotische Anteile hat jeder Mensch. Bei einer neurotischen Krankheitsentwicklung verselbstständigen sich die in das Unterbewusstsein verdrängten konfliktuösen Inhalte in Form abgespaltener Anteile und kehren als Neurose verkleidet wieder in das Bewusstsein zurück. Dies wird von Betroffenen allerdings nicht durchschaut.

In der psychotherapeutischen Behandlung von Neurosen wird in der tiefenpsychologischen Behandlungsform versucht, die verdrängten früheren konflikthaften Anteile wieder bewusst werden zu lassen, um sie mit den Ressourcen des erwachsenen Ichs zu lösen und in das aktuelle Leben so zu integrieren, dass eine weitere Verdrängung überflüssig ist.

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur Behandlung von Neurosen basieren auf der Erkenntnis, dass diese Störungen maßgeblich von Lernprozessen, aufrechterhaltenden situativen Bedingungen und kognitiven Verzerrungen beeinflusst werden.

Die therapeutischen Interventionen sind von der Absicht bestimmt, die Hintergründe zu verändern, von denen man annimmt, dass sie das Problem aufrechterhalten. Man kann auch von Selbstmanagementtherapie sprechen, die eine verbesserte Selbstkontrolle und Eigensteue-rung sicherstellen soll.

Verhaltenstherapie zählt zu den übenden Verfahren. In einem schrittweisen Problemlösungsprozess, an dem der Patient von Anfang an aktiv beteiligt werden sollte (therapeutische Allianz), erfolgt die stufenweise Bewältigung hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten des Patienten.

Das verhaltenstherapeutische Konzept unterscheidet 3 Arten von Faktoren hinsichtlich psychischer Störungen

•             disponierende Bedingungen (genetisch, lebensgeschichtlich)
•             auslösende Stimuli (erlernte Trigger)
•             aufrechterhaltende Bedingungen (Selbstbeobachtung, Vermeidung, sekundäre Gewinne).

Zusätzlich sind in den vergangenen Jahrzehnten hunderte von unterschiedlichen Therapieformen im Rahmen der humanistischen Psychotherapie entstanden, die ihre Wurzeln in der tiefenpsychologischen sowie verhaltenstherapeutischen Lehre haben und die traditionellen Therapiekonzepte durch neue Herangehensweisen erweitern. Welche Therapieform für ihn persönlich am geeignetsten ist, muss der Patient allerdings selbst herausfinden.

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