Trauer und Kommunikation

by info on 4. Januar 2009

Jede Art von Verlust erzeugt Trauer. So ist Trauer nicht alleine auf den Tod bezogen, sondern auf die vielen Facetten des Lebens und der damit verbundenen Verluste.

Je nachdem wie viel uns das, was wir verloren, bedeutet hat, tritt die Trauer über den Verlust in ihrer Intensität auf.
In der Trauerarbeit wird der Betroffene auf sein „Ego“ zurückgeworfen. Muss sich fragen, was diese Trauer mit ihm selber zu tun hat, was er in der Vergangenheit gelebt hat und was offen blieb. So kommt der Mensch in einem aktiven Trauerprozess zur intensiven Bearbeitung seiner selbst.
Die Trauer zeigt uns unsere eigenen Schwächen auf, fordert auf zur Auseinandersetzung mit uns selbst und bewirkt so die Heilung und Weiterentwicklung des „Ich“.
In einer Gesellschaftsform, wie der heutigen, in der fast nur noch Spaß, Leistung und ewige Jugend zu zählen scheint, hat gelebte Trauer keinen Platz, kein Verständnis, kaum noch tragende Riten und Bräuche mehr. Personen, die sich bewusst und intensiv mit ihrer Trauer auseinander setzen werden als schwach und unbequem empfunden.
Hier liegt ein eklatanter Irrtum vor, denn die psychische Trauerarbeit ist Schwerarbeit und erfordert Stärke und Mut. Mut sich dem Schmerz zu stellen, ihn nicht zu verdrängen und darauf zu warten, dass die Zeit alle Wunden heilt. Dies geschieht nicht.
Mut – um den Verlust später akzeptieren und als Bestandteil des eigenen gelebten Lebens zu integrieren.
Mut – vor allem deshalb, weil der Trauernde ahnt, dass nicht nur seine Situation, sondern auch er selber am Ende des erfolgreich abgeschlossenen Trauerprozesses nicht mehr der alte sein wird und er, sich selber noch ein Stück fremd, ins unbekannte Neue gehen wird.

In vergangenen Zeiten kommunizierte der Trauernde durch seine Trauerkleidung, dass er sich in einer Ausnahmesituation des Lebens befand, so wurde ihm achtsam begegnet. Trauerkleidung wird heute oftmals abgelehnt, ohne zu ahnen, was für eine Non-verbale-Kommunikation im psychosozialen Bereich sie wirklich hat und um was man sich bringt.
So mehren sich die Klagen Betroffener über schlechte bis gar keiner Kommunikation in ihrer Situation.
Trauer braucht ein Gegenüber – braucht das Wort um sich ausdrücken zu können, um zu verstehen. Was ausgesprochen wird – steht im Raum, wird wahr.
In dieser Zeit ist der Betroffene hoch sensibilisiert, auch auf der Kommunikationsebene und deren Zwischentöne. Erkennt instinktiv authentischen Trost und Beistand, ebenso wie hilfloses „vertrösten“. Nicht stimmige Kommunikation lässt den Trauernden sich noch mehr zurückziehen, verstärkt dadurch seine Isolation und seine Verlustschmerzen.

Trauernde zu begleiten erfordert Achtsamkeit und Respekt vor dem Menschen und dem Leben!
gez.: Angelika Niedergesäß, Integrative Trauertherapeutin

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Jana 02.18.09 at 17:32

Die “Spaßgesellschaft” ist eben nicht in allen Prozessen des Lebens hilfreich… Trauer, gerade bei Verlusten von Angehörigen, ist Teil des Selbstheilungsprozesses des Menschen. Ich werde immer so wütend, wenn ich einen Vater zu seinem Sohn sagen höre: Männer weinen nicht! Dieses Vorurteil und eindoktrinierter Wert in die Generationen hat mit sicherheit dazu geführt, das viele Menschen nicht ihre Trauer ausleben und sich damit selbst helfen konnten.

Malika 03.06.09 at 21:39

“Spaßgesellschaft” ist in keinerlei Lebensprozessen hilfreich,das weiß jeder.Besonders Menschen, die durch einen gesunden Trauerprozess gegangen sind,erkennen die Leere und die kranken Strukturen einer solchen Gesellschaft. Hier gilt es für die Allgemeinheit einen Wandel anzustoßen,damit sie sich nicht in dieser Leere verliert.
“Männer weinen nicht” sagen übrigens auch Mütter zu ihren Söhnen.Dies sind blind übernommene Werte einer anderen Generation,die schon immer nicht der Wahrheit entsprachen und oft psychische Kranke hinterließen. Gott sei Dank ist hier ein Wandel bei den “neuen”Eltern zu beobachten.
Was in der Vergangenheit falsch lief,sollte man nicht so plakativ anprangern,sondern mit Geduld und Fachkenntnis, nach vorne schauend, zu einer Änderung bewegen.Nur dies hat einen dauerhaften Langzeiteffekt,der erstrebenswert ist.
Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern,jedoch die Zukunft helfen besser zu gestalten.Deshalb finde ich den Artikel von Fr.Niedergesäß einen guten Ansatzpunkt zum Nachdenken/Umdenken.Ich hoffe,sie schreibt noch mehr solcher Artikel!!Wie es scheint,hat diese Frau sehr viel zu sagen,dass sich von dem üblichen,auf diesem Gebiet,wohlwollend abhebt.

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